Schieba hat drei Kinder, zwei Mädchen (Fahria 12 Jahre und Schgufa 10 Jahre) und einen Sohn (Rahmin, 8 Jahre).
Schieba heiratete einen Mann, der weder ihr Cousin war, noch sonst irgendwie zur Familie gehörte (Anmerkung des Übersetzers: In Afghanistan ist es allgemein üblich, einen Verwandten zu heiraten, meistens einen Cousin). Schon in der Verlobungszeit stellte man fest, dass der Mann geistig behindert war. Aber wie es in Afghanistan ist, wollte die Familie des Mannes nicht ihre Würde verlieren, und so folgte auf die Verlobung die Heirat.
Nach der Geburt des ersten Kindes verschlechterte sich der Zustand des Ehemannes. Trotzdem kamen noch zwei weitere Kinder zur Welt, weil seine Eltern immer hofften, dass ihr Sohn durch die Verantwortung, die Kinder mit sich bringen, vernünftig werden wird. Aber sein Zustand verschlechterte sich mehr und mehr. Heute wird er als zu 60 Prozent unzurechnungsfähig eingestuft. |
Schieba, seine Ehefrau, muss trotz ihrer mangelhaften Bildung verschiedene Arbeiten annehmen, um die Familie zu ernähren.
Aber das ist noch nicht alles, was Schieba meistern muss: Vor etwa einem Jahr versuchte ihr Mann in der Nacht, als sie schlief, ihr heißes Speiseöl ins Gesicht zu werfen. Welch ein Glück, dass sie sich im letzten Moment schlaftrunken umdrehte und das heiße Öl deswegen „nur“ ihre Schulter und ihren Rücken verbrannte. Monate lang musste sie behandelt werden. Das nächste Mal schütte er ihr während des Schlafes gekochtes Wasser ins Gesicht, und ein anderes Mal legte er ihr einen Strick um den Hals – aber auch diese Male konnte sie sich befreien, mit Hilfe ihres Schwiegervaters.
Bis heute lebt Schieba unter diesen Umständen mit ihren drei Kindern. Sie selbst ist 30 Jahre alt und sagt: „Das Schicksal hat es mit mir so gewollt, aber meinen Töchtern soll so etwas auf keinen Fall widerfahren. Deswegen bleibe ich als Mutter meiner Kinder in diesem Haus. Ich möchte, dass sie etwas Anständiges lernen, um ein selbständiges Leben führen zu können.“ |