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Jamila

Jamila lebt in der Altstadt von Kabul und ist taubstumm. Sie ist etwa 35 Jahre alt und hat drei Mädchen. Ihr Mann wurde vor ungefähr einem Jahr von einem amerikanischen Soldaten getötet, durch einen Unfall. Die Amerikaner bezahlten eine finanzielle Entschädigung. Das Geld bekam jedoch die Familie ihres Schwiegervaters. Da Jamila nicht sprechen kann, konnte sie sich dagegen nicht wehren. Nach dem Tod ihres Mannes, versuchte die Familie, sie zu ihren Eltern zurückzuschicken.

Ihre Eltern haben lange gehofft, dass sich die Lage ihrer Tochter in der Familie  ihres verstorbenen Ehemannes normalisiert. Das war aber nicht der Fall. Schließlich hat der Vater seine taubstumme Tochter wieder bei sich aufgenommen.* Aber Jamila durfte ihre älteren Töchter, die 6 bzw. 4 Jahre alt waren, nicht mitnehmen. Nur das kleinste, das noch gestillt wurde,  kam mit in ihr Elternhaus.

Von der Familie ihres Ehemannes bekam Jamila keinen einzigen Cent. Sie hat keinen Bruder und lebt allein mit ihrem alten Vater und der alten Mutter. Sie führt ein sehr ärmliches Leben. Vor allem leidet sie sehr darunter, dass ihre beiden Töchter nicht bei ihr sein dürfen.

Aber das allerschlimmste ist, dass sie das Alles niemanden erzählen kann. Ihre Mutter kam mit ihr ins NAZO-Zentrum, um um Hilfe zu bitten.

Glauben Sie mir, als sie uns die Geschichte ihrer taubstummen Tochter erzählte, haben wir alle bitterlich geweint.  Der Verlust ihres Ehemannes ist für Jamila besonders schmerzlich, da er sie trotz ihrer Behinderung sehr geliebt hat – ein in Afghanistan sehr ungewöhnlicher Zustand. 

Dann kam dieser Unfall – und er hinterlässt seine hilfsbedürftige Frau so allein und traurig.

 

(*Anmerkung des Übersetzers: Die Rückkehr ins Elternhaus wird in Afghanistan als größte Schande angesehen.)

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