EinzelschicksaleQamar Gul |
|
Qamar Gul ist zwischen 45 und 50 jahre alt und hat bis vor kurzem mit ihrem 18-jährigen Sohn, der heroinabhängig ist, zusammen gelebt. Ihr Mann war Schuhmacher und hatte in der Altstadt von Kabul einen Platz, auf dem er sitzen und arbeiten konnte. Von dem Einkommen ihres Mannes konnte die Familie, drei Töchter (Suraya, Mahlia, Fatema), der Sohn Schokur, Qamar Gul und ihr Mann einigermaßen leben. Im Bürgerkrieg traf den Ehemann eine Rakete - er war auf der Stelle tot. Qamar Gul musste von heute auf morgen alle Kinder, die damals noch klein waren, allein ernähren. Sie arbeitete als Dienerin und kam so mehr schlecht als recht über die Runden. Trotz aller Anstrengungen hat sie es nicht geschafft, ihre Töchter zur Schule zu schicken. Bei einem Bekannten ihres verstorbenen Ehemannes konnte sie kostenlos wohnen. Ihre drei Töchter musste sie schon sehr früh verheiraten, einmal weil es während des Bürgerkrieges keinerlei Schutz für junge Mädchen gab, zum anderen, weil es schwierig war, alle zu ernähren. |
Ihr jüngstes Kind war der Junge. Sie schickte ihn unter großen Mühen zur Schule - in der Hoffnung später unter seinem Schutz ein ruhiges Leben führen zu können. Der Sohn geriet in der 9. Klasse in schlechte Gesellschaft und begann, Drogen zu nehmen. Zunächst wusste Qamar Gul davon nichts. Als sie es schließlich erfuhr, war ihr Sohn - ihre einzige Hoffnung - schon so schwer drogenabhängig, dass er nicht mehr zu retten ist. Heute ist sie total kraftlos. Dazu kommt noch, dass Drogenabhängige in der afghanischen Gesellschaft ein sehr schlechtes Ansehen haben. Also hat der Bekannte Qamar Gul verboten, weiterhin in seinem Haus zu wohnen. Ihr Sohn lebt völlig heruntergekommen im Bahnhofsviertel. Sie selber weiß weder ein noch aus. |
