Berichte aus dem NAZO-ZentrumBriefe aus Kabul 2006 von Schaima und Rogul. Alle Briefe wurden übersetzt von Nurullah Ebrahimy. Lesen Sie hier einige Auszüge: | |
November 200611. Nov. 2006Schöne Grüße von den NAZO-Frauen in Afghanistan an die NAZO-Frauen in Deutschland. Diesen Bericht beginne ich mit den Schmuckdesignerinnen, die mit sehr sehr großem Interesse ihren Beruf erlernen. Mittlerweile sind sie in der Lage, eigene Entwürfe zu machen. Die Schneiderinnen in der NAZO-Werkstatt haben – auch wegen des Zuckerfestes – ihr Einkommensziel von 2000 Afghani (35 Euro) erreicht, bzw. sogar überschritten. Im letzten Monat haben alle zwischen 2.500 und 3.000 Afghanin verdient. Das ist natürlich eine große Motivation für sie selbst und für die 15 Schülerinnen, die noch in der Ausbildung sind. Wir mussten uns von unserer Schneidermeisterin trennen, da sie umgezogen ist. Für sie stellten wir Manaz ein, die schon bei NAZO ausgebildet wurde, dann das Geschäft Negina Saloon mit gründete und jetzt bei uns im Zentrum die neuen Schülerinnen unterrichtet. Da Manaz neben ihrem Beruf auch ihre eigene Selbständigkeit im NAZO-Zentrum erlernte, bemüht sie sich sehr um die Schülerinnen, stärkt ihr Selbstvertrauen und fördert ihre Selbständigkeit wo sie kann. Die Vorbereitungen für den Kurs Erfolgreich Verkaufen hat uns sehr motiviert. Wir bekamen von der GTZ die erste Rate und konnten die Materialien für den Kurs anschaffen. Dann besuchten uns Frau Thiel und ihre Sekretärin Simin von der GTZ. Beide haben unsere Arbeit anerkannt und gelobt. Auch Herr Jawad und seine Frau äußerten sich anerkennend über die NAZO-Arbeit. Frau Jawad wollte mit unseren Frauen über Gesundheit der Familie und der Kinder sprechen – sie war sehr erstaunt, wie viel die NAZO-Frauen - dank der Gesundheitsberatung, die wir einmal wöchentlich durchführen - schon wissen. Auch die Frauen in Scheweki sollen den gleichen Wissensstand erreichen. Wir sind sehr ungeduldig und gespannt, welche Note Elke den Frauen geben würde – und wir freuen uns auf euren Besuch. Mit freundlichem Gruß, Rogul und Schaima 20. Nov. 2006Schöne Grüße von uns NAZO-Kabul-Frauen an Euch NAZO- Deutschland –Frauen. Im NAZO Zentrum gib es jetzt - neben den Ausbildungen Schneiderei und Schmuckdesign – den Kurs Erfolgreich Verkaufen. Der Kurs läuft sehr zufriedenstellend. Nachdem Eshan aus Deutschland hier eintraf, gibt er täglich zweimal den Kurs 'Erfolgreich Verkaufen'. Vormittags beginnt er um 8 Uhr und läuft bis 11.30 Uhr, nachmittags von 13 bis 16 Uhr. An den Kursen nehmen die Schneiderlehrlinge, die Schmuckdesignerinnen, ehemalige Schülerinnen und einige Frauen aus der Umgebung teil. Der große neue Generator hat unsere Strom-Probleme gelöst. So können jetzt die Schneiderinnen ihre Nähmaschinen, die Schmuckdesignerinnen ihre elektrischen Gerätschaften und die Computer für den Kurs „Erfolgreich Verkaufen“ gleichzeitig betrieben werden. Die Auszubildenden bekommen 900 Afghani (15 €) pro Monat. Natürlich finden auch die Kurse Gesundheits- und Rechtsberatung regelmäßig statt, der Alphabetisierungskurs sowieso. In letzter Zeit hat sich die Sicherheitslage in Kabul ziemlich verschlechtert. So hatten wir z.B. mehrmals Besuch von der Polizei, dem Geheimdienst und Leuten, die sagen, dass sie für die NGOs zuständig sind. Sie stellten jedes Mal viele Fragen.
Jeder macht sich Sorgen in der momentanen Lage. Auch wir haben große Bedenken – vor allem fragen wir uns, wer diese Leute sind, die so viele Fragen stellen und in welchem Auftrag sie kommen. Gott schütze Euch, Schaima 24. Nov. 2006 über die Backwerkstatt in SchewekiVor etwa drei Monaten haben wir mit der Arbeit in Scheweki begonnen. Jetzt beliefern wir verschiedene Läden in der Umgebung unseres Dorfes bis nach Kabul mit Keksen und süßem Brot (genannt Rot). Teilweise kommen auch die Ladenbesitzer nach Scheweki und kaufen, bzw. bestellen bei uns das, was sie brauchen. Auch konnten wir einen Großhändler in Kabul gewinnen, der unsere Backwaren verkauft. Die Frauen haben momentan genug zu tun – die Hälfte der Ausbildungszeit ist ja schon um. Früh morgens macht der Nachtwächter den Backofen an, so dass er, wenn die Schülerinnen und der Meister kommen, schon arbeitsbereit ist. Die Schülerinnen sind zueinander sehr nett und helfen sich gegenseitig. Eigentlich herrscht eine noch herzlichere Stimmung untereinander als in Karte-nau (obwohl ich dachte, dass das gar nicht möglich ist.) So wie ich es jetzt beurteilen kann, läuft alles nach Plan. Die Frauen sind sehr motiviert und die 900 AFS, die wir als Ausbildungsbeihilfe zahlen, sind für die Dorffrauen eine gute Hilfe. Die Weiterbildungskurse (Alphabetisierung, Gesundheits- und Rechtsberatung) sind mit sehr netten und kompetenten Frauen aus der näheren Umgebung besetzt.
Die Brücke, die wir neu gebaut haben, hilft uns sehr. Der Brunnen, bzw. das Brunnenwasser, wird ebenfalls stark in Anspruch genommen. Wir fühlen dringend, dass es nötig ist, eine Verkaufsstelle, einen Laden, irgendwo in der Stadt anzumieten, damit die Abnehmer nicht mehr bis Scheweki raus kommen müssen. Wenn wir unsere Backwaren selbst verkaufen, können wir mit Endpreisen kalkulieren – nicht wie bisher mit Großhandelspreisen. Sonst habe ich nichts mehr zu berichten. Ich hoffe, ihr könnt euch ein Bild von unserer Arbeit machen und verbleibe mit den besten Wünschen für eure Gesundheit und euren Erfolg im Leben, Eure Schaima 26. Nov. 2006Zunächst beste Grüße für alle NAZO-Frauen in Deutschland. Vor zwei Monaten haben wir entschieden, dass der Goldschmiedemeister nur einmal in der Woche kommt, um den Frauen Unterricht zu geben. Zu Beginn dieses Monats haben wir mit dem Lehrer für die Steinschleiferei die gleiche Vereinbarung getroffen. Die Frauen können jetzt schon selbständig arbeiten und fertigen sogar schon eigene Schmuckstücke an. Was fehlt ist die Übung – und die können sie ohne die teuren Lehrer machen. Wir konnten die Löhne der 12 Frauen, die in der Werkstatt arbeiten, erhöhen, weil sie jetzt viele Aufträge haben. Monatlich verdient jede Schneiderin jetzt 2000 Afghani (ca. 35 €). Sie nehmen immer noch teil an den Weiterbildungskursen, wie Gesundheits- und Rechtsberatung. Der Kurs „Erfolgreich Verkaufen“ ist ein zusätzliches Angebot, das alle mit großer Begeisterung wahrnehmen. Der Kurs „Erfolgreich Verkaufen“ und das Fest Id * haben die Frauen in der Schneiderwerkstatt ein gutes Stück selbständiger gemacht. Einige Mitarbeiter/innen von der GTZ waren zum zweiten Mal bei uns. Sie waren mit unserer Arbeit sehr zufrieden und lobten unsere Fortschritte und die Ordnung im Zentrum. Wir bemühen uns, niemals etwas zu tun, was nicht akzeptabel wäre. Unsere Finanzen sind sehr klar und durchsichtig und geben zu keinerlei Beanstandungen Anlass. Wir haben alle Frauen, die in irgendeiner Weise mit dem Zentrum zu tun haben, zusammen gebracht. Die Kekse und Süßigkeiten, die in der Backwerkstatt hergestellt werden, werden auch im NAZO-Zentrum in Karte-nau angeboten – und im Zentrum genähte Kleidung wird in Scheweki verkauft. Auch die Frauen, die ihre Ausbildung schon abgeschlossen haben und jetzt selbständig arbeiten, sind wie die Glieder einer Kette weiterhin mit uns verbunden. Die Frauen, die mit eurer Hilfe eine Patenschaft gefunden haben, besuchen wir oder wir laden sie ins Zentrum ein. Z.B. haben wir Frau Maleka in der Backwerkstatt als Köchin angestellt. Chatera (die früher immer so große Angst vor fremden Menschen hatte) und ihre Söhnchen besuchen uns regelmäßig in Karte-nau. Beide Frauen beten für eure Gesundheit und euer Lebensglück. Gott möge euch schützen, Schaima und Rogul * Zuckerfest (Anmerkung des Übersetzers: für das Fest bekommt man neue Kleidung) |
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