Die Frauen sind in eine schwierige Lage geraten

Kabul, Karte-nau: Fast nur Männer auf den Straßen.
Seit dem Sturz der Taliban strömen Einflüsse aus aller Herren Länder in das mehr als 20 Jahre fast hermetisch abgeschlossene Afghanistan. Auf den Straßen Kabuls - noch vor kurzem von Ruinen gesäumt und nur von einigen wenigen Fahrrädern befahren - herrscht heute ein Verkehrschaos. Die Märkte quellen über vor Waren aus aller Welt. Blinkende Lichterketten machen überall auf "wedding halls" aufmerksam - so als wäre Kabul vorwiegend mit Hochzeiten beschäftigt.
Mit der Öffnung des Landes haben Medien, allen voran das Fernsehen, Einzug gehalten. Auch wenn der so genannte „kleine Mann“ in seiner Wohnung (noch) keinen Fernsehapparat hat, so hat er doch die Möglichkeit, in einer Teestube gemeinsam mit anderen Besuchern die Filme – vor allem indische Schmachtfetzen und türkische Musikvideos, in denen von romantischer Liebe und gelebter Freiheit erzählt wird – zu sehen. Da sein tägliches Leben nicht so ist, wie es im Fernsehen gezeigt wird, wächst die Frustration und oft auch die häusliche Gewalt, unter der dann die Frauen und Kinder besonders zu leiden haben.
Wollen Frauen die ihnen neu zugestandenen Rechte - z.B. auf Ausbildung - in Anspruch nehmen, kann es vorkommen, dass ihr Familienoberhaupt es ihnen verbietet. Beugen sie sich nicht diesem Verbot, können harte Auseinandersetzungen folgen, die nicht selten mit ihrem Tod enden – entweder weil die Frauen und Mädchen sich selbst umbringen (z.B. durch Selbstverbrennungen) oder weil sie "verunglücken“, das heißt von einem männlichen Familienmitglied getötet werden, um die „Familienehre“ wieder herzustellen.
Nicht alle Menschen können diese rasanten Veränderungen verstehen, geschweige denn akzeptieren. So bleibt es nicht aus, dass die Ressentiment gegenüber der westlichen Kultur, die sie für egoistisch und dekadent halten, wachsen. Die Stimmen, sich diese fremde Kultur nicht überstülpen zu lassen, nehmen zu. Je mehr ideologischer Druck aus dem Westen zu spüren ist, desto stärker könnte die Ablehnung wachsen.
Die NAZO-Frauen versuchen den Frauen mit den im Zentrum angebotenen Beratungsstunden ein Rüstzeug an die Hand zu geben, mit dem sie den oft schwierigen Spagat zwischen ihrem Wissen um ihre neuen Rechte und ihrer täglichen Realität bewerkstelligen können.

Kabul, Altstadt: Markt und Blaue Moschee.
