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Seminare: Die Rolle der Frau in Afghanistan

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Die sich verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan hat  dramatische Auswirkungen auf das Leben der Frauen dort. Schon im April 2006 baten uns die Frauen von NAZO-Afghanistan, die Fotos im Afghanistan-Teil unserer Webseite mit einem Passwortschutz zu versehen, weil sie sich in ihrer Umgebung nicht mehr sicher fühlten.

Täglich werden Afghanen/Afghaninnen Opfer von Anschlägen, von denen wir hier in Deutschland fast nichts hören. Unsere Medien berichten vorwiegend dann vom Terror, wenn Ausländer - besonders Deutsche - betroffen sind.

Nur ein Beispiel: Am 30.09.07 wurden im Nachbardorf von Scheweki, in dem NAZO-Afghanistan Landfrauen zu  Bäckerinnen ausbildet, 13 Polizisten einer Polizeistation erschossen, um deren Waffen zu erbeuten. In der Woche davor wurde der Dorfvorsteher von Scheweki unter Druck gesetzt: entweder er beherberge freiwillig die Taliban – was auch bedeuten würde, dass die Frauenbäckerei in seinem Dorf geschlossen werden müsste – oder er werde mit Waffengewalt dazu gezwungen.  Da er selbst eine lokale Dorfmiliz befehligt, konnte er den Angriff zurückschlagen – bisher gab es keine Verletzten oder gar Tote. Aber die Lage ist sehr bedrohlich.  Ein anderes Beispiel: Im Juli 2007 wurden drei junge afghanische Journalistinnen, die zur sogenannten Frauenfrage recherchierten, ermordet.

Oft werden die Rechte, die die neue afghanische Verfassung den Frauen zubilligt, mit Füßen getreten. Nicht nur die Analphabetinnen, auch die gebildeten Frauen, die Lehrerinnen, die Ärztinnen, Rechtsanwältinnen etc. brauchen unseren Zuspruch und die Gewissheit, dass wir sie nicht im Stich lassen. Ein Volk besteht nicht nur aus „Frontfrauen“, die Politikerinnen, Journalistinnen oder Pilotinnen werden. Die überwältigende Mehrheit muss in ihrem Umfeld die kleinen Schritte der Emanzipation durchsetzen, was sehr schwierig ist und oft auch zu großen Problemen führt, wie die vielen Selbstverbrennungen der Frauen zeigen. Wenn eine Frau ihre Rechte kennt - sie aber in ihrem Umfeld von konservativen Menschen umgeben ist – kommt es oft zu ausweglosen Konfliktsituationen, die nicht selten zu Selbstmord oder Mord führen. Noch schützt die afghanische Regierung unter Hamid Karzai die Frauen – aber auch unter seinen Ministern gibt es einige, die die Wiedereinführung der Religionspolizei fordern, ja sogar öffentlich über ein erneutes Bildungsverbot für Frauen und Mädchen nachdenken.

Das ist der Hintergrund – warum wir mit den Seminaren Die Rolle der Frau in Afghanistan an die Öffentlichkeit treten wollen, und wir hoffen dabei auf Ihre Unterstützung.

Die Seminare Die Rolle der Frau in Afghanistan beleuchten die Auswirkungen, die der nun schon mehr als 30 Jahre andauernde weltpolitische Zank um Afghanistan auf die Emanzipationsbestrebungen der afghanischen Frauen hatte und hat. Sie thematisieren die Versuche der Frauen in der Vergangenheit und Gegenwart, das kulturelle, gesellschaftliche, soziale  und politische Leben mit zu gestalten und versuchen damit die Öffentlichkeit für die Belange der Frauen in Afghanistan zu interessieren und zu sensibilisieren.

Die Seminare Die Rolle der Frau in Afghanistan stellen im viel beschworenen Dialog der Kulturen die Frau in den Mittelpunkt. Dies erscheint mir momentan besonders wichtig, zumal erneut im Zusammenhang mit Afghanistan nur noch die Gewalt der Männer im Mittelpunkt steht. Der Kampf der Frauen gegen die überkommenen patriarchalen Strukturen ihrer Gesellschaft wird dann leicht als zweitrangig eingestuft – obwohl seit eh und je jede Reformbewegung in Afghanistan an der sogenannten Frauenfrage scheiterte. 

Die Seminare zum Thema Die Rolle der Frau in Afghanistan können in die Ausstellung „Blick hinter den Schleier – aus dem Alltag der afghanischen Frauen“ eingebettet sein - aber stehen auch selbständig für sich und können ohne die Ausstellung durchgeführt werden.

In den Seminaren wird die Komplexität der Spannungen zwischen Tradition und Moderne, zwischen Religiosität und Fundamentalismus, zwischen westlicher und afghanischer Denkweise untersucht. Sie wollen Einblicke in das das Leben und Denken der Frauen in Afghanistan vermitteln, Vorurteile abbauen und Verständnis für die schwierige Aufbauarbeit fördern, nach mehr als 30 Jahren Krieg und Bürgerkrieg, eine demokratische Zivilgesellschaft in Afghanistan zu etablieren.

Die Seminare mit Filmvorführungen, Vorträgen, Diskussionen, etc.  vertiefen die Kenntnisse und sind besonders für die Weiterbildung geeignet.

Wenn Sie an einem solchen Seminar Interesse haben, wenden Sie sich an uns, um Termine und Durchführungsdetails abzusprechen: Tel: 02205-2352 / Fax: 02205-87836 / info@nazo-support.org

Mögliche Themen solcher Veranstaltungen (mit Filmvorführungen, bzw. Eingangsreferat, anschließender Diskussion und Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Schwerpunkt):

Einführungsreferat: Deutsch afghanische Beziehungen – warum sind die Deutschen bis heute so  beliebt in Afghanistan? Wird das in Zukunft so bleiben? (Diskussion)

Die Verankerung der Gesellschaft im Pashtunwali und die Schwierigkeiten sich daraus zu lösen – von der Zeit des Königs Amanullah bis heute. Film: Überleben in Kabul - eine Stadt und ihre Frauen; Diskussion

Frauen in Afghanistan zwischen islamischen Fundamentalismus und Emanzipation (Der Weg vom Feudalismus zum Fundamentalismus oder die Entscheidungsnot der Frauen zwischen der Unterstützung für ihre Männer und ihrer eigener Emanzipation.) (Filme: Die Frauen von Kabul, und Tschadari & Buz Kaschi - afghanische Frauen heute (1989) Diskussion)

Kinder und die Ideologie der Herrschenden (Filme: Afghanische Kinder träumen vom Frieden, und Mein Vater ist ein Märtyrer - afghanische Kinder malen den Krieg; Kinderzeichnungen der Ausstellung, Diskussion)

Krieg und Frieden im Spiegel afghanischer Bildteppiche, in denen zur Zeit der sowjetischen Besatzung Kriegsmotive eingeknüpft, eingewebt wurden.  (Ausstellungsexponate, Dia-Vortrag, Diskussion)

Volkskunst afghanischer Frauen, vielfältige Vergangenheit – konforme Gegenwart (Ausstellungsexponate, Erläuterungen und Diskussion)

Poetinnen, Sängerinnen, Künstlerinnen - gestern und heute.

Aufbau der Zivilgesellschaft in Afghanistan - welchen Beitrag können die Frauen des Wesens dazu leisten? (Fotos der Ausstellung und Filme: Die Frauen von Kabul und Vom Aufbau des NAZO-Zentrums, Diskussion)

Die Seminare dauern jeweils einen Tag, das heißt, man wird sich auf einige Themen beschränken müssen. Diese werden gemeinsam mit dem Veranstalter fest gelegt.

Um die Seminare durchführen zu können, benötigen wir neben den Räumlichkeiten professionelle Video/DVD/ Vorführmöglichkeiten, Stellwände auf denen im Seminarraum das Anschauungsmaterial präsentiuert werden kann.