Als Schmuckdesignerinnen erobern sich die Frauen einen "Männerberuf" und übernehmen eine Vorreiterrolle.
Da es NAZO in erster Linie um das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit der afghanischen Analphabetin geht, hat NAZO den Frauen ein weiteres Berufsfeld - Schmuckdesign – eröffnet. Der Beruf Schmuck-Design ist in der afghanischen Gesellschaft hoch angesehen und garantiert ökonomische Selbständigkeit. Schmuck wird von Frauen nicht nur geliebt und geschätzt - er ist in Afghanistan auch heute noch der einzige Besitz, der den Frauen anstandslos zugestanden wird.
Die Schmuckherstellung ist bis heute in Afghanistan eine Domäne der Männer. Bisher gibt es keine Schmuckdesignerin. Da Frauen jedoch besser wissen, was ihnen gefällt, ist es auch heute schon üblich, dass sich Männer beim Schmuckeinkauf von Frauen begleiten lassen, damit sie nicht nur teures Geld investieren, sondern auch den Geschmack ihrer Frauen treffen.
Im Oktober 2008 wurde die Ausbildung zur Schmuckdesignerin auf professionelle Füße gestellt;vorausgegangen war ein Pilotprojekt um zu erfahren, ob sich genügend Interessentinnen für diesen anspruchsvollen und bis heute allein von Männern ausgeübten Beruf finden lassen. Dazu der Silberschmied-Lehrer Schudschah:
„Ich war sehr überrascht wie schnell und leicht die Frauen das Schmuckhandwerk erlernen können. Meiner Meinung nach gestalten sie präziser und kreativer als meine männlichen Lehrlinge. … „
Der Beruf Schmuckdesignerin besteht zwei traditionelle Handwerksberufe: der Silberschmiedekunst und der Steinschleiferei. Zwei Lehrer unterrichten: ein Silberschmied und ein Steinschleifer. Hier geht es um Kenntnisse rund um die Edelsteine Afghanistans und deren Verarbeitung zu Schmuck, aber auch zu Gürteln, Taschen, Wandbehängen etc.
Momentan werden 15 Schmuckdesignerinnen ausgebildet, die mit einer Ausbildungsbeihilfe von 30 € pro Monat unterstützt werden. Sie werden nach den von den NAZO-Frauen entwickelten Auswahlkriterien unter den Bewerberinnen ausgewählt. Sie müssen eine ausgeprägte Feinmotorik mitbringen und darüber hinaus Grundkenntnisse des Lesens, Schreibens und Rechnens.
Die NAZO-Schülerinnen sind die ersten Schmuckdesignerinnen Afghanistans und bereichern ihren Silberschmuck mit leuchtenden Steinen: mit tiefblauem afghanischen Lapiz Lazuli, blaugrünem iranischen Türkis, braunrotem Karneol, flaschengrünem Serpentin, schwarzem Onyx etc.
Auch sie möchten nach Ausbildungsende als Gruppe zusammenbleiben – am liebsten zusammen mit den Schneiderinnen ein Geschäft für Schmuck und Kleidung gründen.
Sehen und bestellen Sie den Schmuck!
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 Goldschmiedemeister Schudschah mit seinen Schülerinnen an den Maschinen, mit deren Walzen das Silber zu hauchdünnen Fäden bzw Plättchen verarbeitet werden kann.
 Schülerinnen bei der Silberarbeit, beobachtet von ihrem Lehrer.
 Farid, der Meister für Steinschleiferei, hilft einer Schülerin.
 Schleifen eines Halbedelsteines
 Begutachten des geschliffenen Halbedelsteines
 Stolz präsentiert Dschawed, der Hausmeister, das neue Schild. Es wurde nicht auf der Straße angebracht, sondern steht innen, neben dem neuen Eingangstor.
 Aus Sicherheitsgründen wurde außen auf der Straße "nur“ ein Schild in der Landessprache angebracht.
 Erste Steinarbeit – ein Geschenk für NAZO Deutschland
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HINTERGRUND
Der Besitz von Schmuck ist in Afghanistan nicht nur Luxus, sondern vergleichbar mit dem Abschluss einer Lebensversicherung. Schmuck ist in Afghanistan auch heute noch der einzige Besitz, der den Frauen anstandslos zugestanden wird. Er ist sozusagen eine Absicherung gegen die Unwägbarkeiten des Lebens, wie z.B. wirtschaftlicher Ruin, Scheidung, Alter usw. Mit der Hochzeit verlässt die Frau ihre Familie und wird Mitglied einer neuen Familie, der ihres Ehemannes. Ihre Ursprungsfamilie hat nun keinerlei Verpflichtung mehr ihr gegenüber. Von ihr kann sie nichts mehr erwarten – keine Fürsorge, keine Unterstützung, keine Erbschaft. Damit sie nicht „unwürdig“ ins Haus ihres Ehemannes übersiedelt, wird vor der Eheschließung über diese „Würde“ verhandelt. Der zukünftige Ehemann muss nicht nur die Hochzeit bezahlen, sondern seiner Braut auch Geschenke machen – Kostbarkeiten, die vorher zwischen beiden Familien ausgehandelt werden. Ein Großteil dieser Brautgeschenke besteht aus Schmuck. Er ist ihr Besitz, über den sie allein verfügen kann. In Notzeiten hat er manch einer Familie das Überleben ermöglicht. |